Plötzlicher Kindstod: Serotoninmangel als Auslöser


Plötzlicher Kindstod: Serotoninmangel als Auslöser

Washington (ddp). Beim plötzlichen Kindstod spielt wie bereits vermutet der Gehirnbotenstoff Serotonin eine Schlüsselrolle, wie Forscher jetzt zufällig bei Versuchen mit Mäusen entdeckt haben. Ist der Stoffwechsel dieses Moleküls in den Tieren gestört, sterben junge, augenscheinlich quicklebendige Mäuse wie vom Kindstod betroffene Kleinkinder: plötzlich und unerwartet im Schlaf, mit charakteristischen Schwankungen von Herzfrequenz und Körpertemperatur. Die Forscher glauben zwar nicht, dass im Menschen die exakt gleichen physiologischen Vorgänge stattfinden. Das Mausmodell könne aber dazu dienen, die möglichen Ursachen für den plötzlichen Kindstod besser einzugrenzen, schreiben die Forscher um Enrica Audero vom European Molecular Biology Laboratory in Monterotondo im Fachmagazin «Science» (Bd. 321, S. 130). Die Forscher manipulierten einen Serotoninrezeptor im Gehirn der Mäuse, sodass die Empfindlichkeit für den Botenstoff um rund 20 Prozent reduziert war. Mit Hilfe eines Antibiotikums konnten sie diesen Effekt zudem ein- und ausschalten. Eigentlich wollten die Forscher auf diese Weise Angstgefühle und depressives Verhalten bei den Mäusen studieren, da Serotonin auch für diese Emotionen verantwortlich ist. Überrascht waren sie, als viele körperlich fitte Mäuse gewissermaßen im Kleinkindalter plötzlich starben. Da der Botenstoff schon aufgrund früherer Untersuchungen im Verdacht steht, den plötzlichen Kindstod zumindest mitzuverursachen, untersuchten die Forscher die Mäuse gezielt weiter. Im Vergleich zur menschlichen Entwicklung würde einem neugeborenen Baby ein 20 Tage altes Mäusejunges entsprechen. Ein einjähriges Kind käme einer 80 Tage alten Maus gleich. Als die Forscher den Serotoninmangel gezielt bei einem Mäusealter von 40 Tagen auslösten, starben daraufhin neun von zehn Mäusejungen. Bei 60 Tage alten Mäusen starben nur noch drei von zehn. Der plötzliche Mäusetod tritt den Forschern zufolge also nur in einem schmalen Zeitfenster ein, genauso wie beim plötzlichen Kindstod von Babys. «Zunächst sahen die Mäuse ganz normal aus», sagt Cornelius Gross, einer der Mitautoren der Studie. «Dann erlitten sie aber vereinzelte und unvorhersehbare Einbrüche in Herzfrequenz und Körpertemperatur.» Diese Körperreaktionen seien mitverantwortlich für den frühen Tod der Mäuse gewesen, vermuten die Mediziner. In Deutschland sterben jährlich rund 300 Säuglinge im Alter von bis zu einem Jahr am plötzlichen Kindstod. Die Ursachen sind nach wie vor weitgehend unbekannt.

 

Quelle: NetDoktor News 07.07.2008

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