Hämorrhoiden
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diabetes-world.net Von Dr. Katja Renner
Jucken, Brennen – was tun bei Hämorrhoiden?
Etwa jeder dritte Bundesbürger leidet im Laufe seines Lebens irgendwann unter Hämorrhoiden - knotenförmigen Aussackungen der Blutgefäße im Enddarmbereich. Hämorrhoidalbeschwerden können viele Ursachen haben (z.B. Bindegewebsschwäche, Übergewicht und Schwangerschaft). Die typischen Symptome sind Jucken, Brennen, Nässen und leichte Blutungen. Da Diabetiker häufig unter Wundheilungsstörungen leiden, sollten Hämorrhoidalleiden nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sondern auch bei geringen Beschwerden dem Arzt vorgestellt werden.
Die Erkrankung
Hämorrhoiden sind Gefäße, die sich im oberen Teil des Analkanals in der Schleimhaut befinden. Sie haben die Funktion, als Schwellkörperpolster die Analregion so abzudichten, dass Gase und Flüssigkeit nicht entweichen können. Während der Erschlaffung der Schließmuskeln zur Stuhlentleerung wird das Blut aus dem Hämorrhoidalpolster herausgedrückt, so dass der Stuhlgang den Analkanal ungehindert passieren kann.
Krankhafte Veränderungen der Hämorrhoiden z.B. durch eine Bindegewebsschwäche, chronische Verstopfung, Missbrauch von Abführmitteln oder zu starkes Pressen bei der Stuhlabgabe äußern sich häufig in Form von Jucken, Brennen, Nässen, hellroten Blutspuren an der Stuhloberfläche oder Schmerzen im Enddarm. Man unterscheidet je nach Schweregrad vier klinische Stadien des Hämorrhoidalleidens.
- Hämorrhoiden ersten Grades sind äußerlich weder sichtbar noch tastbar. Der Betroffene bemerkt sie durch eine leichte Schwellung und Juckreiz.
- Hämorrhoiden zweiten Grades werden bei der Abgabe des Stuhlgangs mit herausgepresst, ziehen sich aber von selber wieder zurück.
- Bei Erkrankungen der Schweregrade drei und vier, füllen die Hämorrhoiden bereits deutlich den unteren Teil des Analkanals aus. Sie fallen bei der Stuhlentleerung vor und sind nur noch schwer oder gar nicht mehr in den Anus zurückschiebbar. Die Patienten leiden in diesen Stadien unter Schmerzen beim Stuhlgang, Sitzen und eventueller Geschwürbildung.
Behandlungsansätze
a) Nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
Hämorrhoiden können durch Verödung, einer so genannten Gummibandligatur oder mittels Infrarotkoagulation behandelt werden.
Besonders Hämorrhoidalerkrankungen dritten oder vierten Grades müssen chirurgisch behandelt werden.
b) Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
Hämorrhoiden ersten oder zweiten Grades können zunächst lokal mit Salben, Zäpfchen oder Sitzbädern symptomatisch therapiert werden. Salben mit Anwendungshilfe (Applikator) und Zäpfchen eignen sich besonders zur Behandlung von Hämorrhoiden. Die jeweiligen Arzneimittel sollten zweimal täglich, bevorzugt nach dem Stuhlgang und vor dem Schlafengehen verwendet werden. Sitzbäder sind besonders wirksam bei zusätzlich auftretenden entzündlichen Symptomen in der äußeren Afterregion.
Lokalanästhetika (oberflächliche, örtliche Betäubung zur Schmerzstillung)
Lokalanästhetika wie Benzocain, Lidocain oder Cinchocain sind in vielen Arzneimitteln gegen Hämorrhoiden enthalten. Sie wirken lokal gut und schnell gegen die Symptome Schmerzen, Brennen und Jucken.
Antientzündliche Substanzen
Bufexamac und Bismutgallat sollten zur Vorbeugung oder Behandlung von Entzündungen in der Analregion innerlich oder äußerlich angewendet werden. Vom Arzt verordnet kommen auch Diclofenac oder kortikoidhaltige Wirkstoffe zum Einsatz.
Gerbstoffe
Pflanzliche Gerbstoffe sind in Extrakten aus Blättern und der Rinde von Hamamelis virginia (Hexenhasel, virginischer Zauberstrauch, Hamamelis) enthalten. Auch synthetische Gerbstoffe kommen zum Einsatz. Die gerbende Wirkung begünstigt Schorfbildung und Wundheilung. Häufig werden gerbstoffhaltige Zubereitungen für Sitzbäder verwendet.
Escherichia-coli-Kultur-Suspension
Escherichia-coli-Kulturen werden zur lokalen Behandlung des Hämorrhoidalleidens und entzündlicher Hauterkrankungen in der äußeren Afterregion eingesetzt. Die Kulturen wirken möglichen Sekundärinfektionen entgegen und fördern die Wundheilung bei entzündlichen Formen.
Praktische Bedeutung für Menschen mit Diabetes
Handlungsempfehlungen
- Sorgen Sie für einen weichen Stuhlgang. Wenn ballaststoffreiche Ernährung nicht ausreicht, können milde Laxanzien wie 1-2 Esslöffel Weizenkleie oder Indischer Flohsamen angewendet werden.
- Trinken Sie ausreichend, etwa drei Liter pro Tag, insbesondere bei hohen Außentemperaturen im Sommer.
- Zögern Sie den Toilettengang möglichst nicht hinaus. Abwarten fördert die Eindickung des Stuhlgangs und somit Verstopfung.
- Entspannen Sie sich bei der Stuhlentleerung, forciertes Pressen begünstigt die Entstehung von Hämorrhoiden und Analfissuren.
- Achten Sie auf besonders gute Analhygiene: Nach dem Stuhlgang sollte die Reinigung der Afterregion feucht, entweder mit Wasser oder Feuchttüchern ohne Konservierungs- und Reizstoffen erfolgen.
- Verschleppen Sie entzündliche Erkrankungen im Analbereich nicht. Gerade Diabetiker leider häufig unter Wundheilungsstörungen und sollten frühzeitig Beschwerden behandeln.
Möglichkeiten der Krankheitsprävention
Der Entstehung von Hämorrhoiden kann man vorbeugen durch eine gesunde Ernährung, Abbau von Übergewicht, körperliche Bewegung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Beim Stuhlgang sollte möglichst nicht gepresst werden.
Grenzen der Selbstbehandlung
Halten die Beschwerden länger als drei bis fünf Tage trotz Selbstmedikation an, kommt es zu Blutungen oder bestehen entzündliche Erkrankungsformen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Fazit:
Ein Hämorrhoidalleiden hat nichts mit schlechter Hygiene zu tun. Tatsächlich trifft es etwa ein Drittel unserer Bevölkerung. Leichte Beschwerden können zunächst in Form von Selbstmedikation lokal therapiert werden.
Für Diabetiker gilt: Die Behandlung ist die gleiche wie für Nicht-Diabetiker. Bei entzündlichen Verlaufsformen ist es jedoch doppelt wichtig, den Arzt aufzusuchen, da die Wundheilung bei vielen Diabetikern gestört ist.
Literatur:
- Lennecke K. (2003): Selbstmedikation, 2. Auflage, Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart
- Mutschler E. (2001): Arzneimittelwirkungen, 8. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart
- Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie

