Die Wahrheit über Impfmythen

Ein Prozent aller Eltern sind Impfgegner

Die Wahrheit über Impfmythen

07.04.09 - Ein Prozent aller Eltern sind strikte Impfgegner. Die Ängste vor Nebenwirkungen sind stärker als das Vertrauen auf die schützende Wirkung der Impfung. Fakt ist aber: Mögliche Komplikationen im Krankheitsverlauf sind meist wesentlich gefährlicher als die möglichen Nebenwirkungen. Kinderarzt Dr. Gerhard Kroschke nimmt Stellung zu den Argumenten der Impfgegner.

Kroschke, Kinderarzt, DAK
Kinderarzt Dr. Gerhard Kroschke nimmt Stellung. Foto: DAK

Mythos 1: Kinder müssen diese Krankheiten durchmachen, denn das fördert die Entwicklung des Kindes. Außerdem ist eine natürlich Immunität gesünder.

Falsch! Sogar das Gegenteil ist der Fall: Während Impfungen das Immunsystem trainieren, wird es durch eine Erkrankung belastet. Und während eine abgeschlossene Grundimmunisierung einen sicheren Schutz gegen Ansteckung bietet, besteht diese Sicherheit nach einer einmaligen Erkrankung nicht. Zudem erkranken in den ersten Lebensjahren geimpfte Kinder ebenfalls an Infekten wie Erkältungen, Durchfall oder auch Scharlach. Diese Erkrankungen führen dazu, dass die Bindung zwischen Eltern und Kinder noch enger werden, weil Kinder die Fürsorge spüren.

 

Mythos 2: Impfungen überlasten das Immunsystem eines Kindes.

Diese Sorge ist vollkommen unbegründet. Obwohl Kinder heute gegen mehr Krankheiten als früher geimpft werden, hat sich die Zahl der Antigene, also der übertragenen Fremdmoleküle, deutlich verringert. Im Alltag muss sich das kindliche Immunsystem mit einer vielfach größeren Menge von Antigenen auseinandersetzen. Ein Kuss kann einem Baby beispielsweise wesentlich mehr Keime verabreichen als eine Impfung.

 

Mythos 3: Impfungen haben viele Nebenwirkungen.

So genannte Impfschäden sind extrem selten. Natürlich können als eine vorübergehende Impfreaktion Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit auftreten. Über die Sicherheit der Impfstoffe entbrennen aber immer wieder heftige Debatten. Autismus und Darmbeschwerden sollen beispielsweise durch den Mumps-Masern-Röteln-Impfstoff ausgelöst werden. Einen Nachweis gibt es bis heute nicht. Fest steht: Das Risiko, einen Impfschaden davonzutragen, liegt deutlich unter dem Risiko, ungeimpft krank zu werden und eine Komplikation zu erleiden.

 

Mythos 4: Impfungen erzeugen Allergien.

Natürlich gibt es heute mehr Impfungen und auch mehr Allergien. Es gibt jedoch keine Studie, die belegt, dass beides zusammenhängt. Die Erfahrung zeigt aber: In der ehemaligen DDR, wo eine gesetzliche Impfpflicht bestand und die Mehrzahl der Kinder geimpft wurden, gab es kaum Allergien. Das änderte sich erst nach der Wende: Die Impfrate sank und die Allergien nahmen zu.

 

Mythos 5: Gegen Kinderkrankheiten, die kaum noch auftreten, muss man nicht impfen.

Sicherlich sind Infektionen wie Kinderlähmung oder Diphtherie in Deutschland sehr selten. Das ist aber das Ergebnis von Impfprogrammen. Ein Impfschutz gegen Kinderlähmung ist auch dann nötig, wenn sie bei uns nicht mehr auftreten. Die Erkrankung kommt beispielsweise noch in Ägypten und Indien vor und kann von Urlaubern aus Deutschland wieder eingeschleppt werden.

kc / DAK


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Quelle: GESUNDHEITSZEITUNG, Newsletter 05.05.2009