Sport und Diabetes
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Vor Beginn einer neuen sportlichen Aktivität, sollte immer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, um mit ihm gemeinsam zu klären, welche Art von Sport und in welcher Intensität überhaupt sinnvoll ist.
Diabetes und Sport –
geht das?
(Sport = jede körperliche Belastung)
Um die Antwort zu der Fragestellung des Themas vorwegzunehmen:
Diabetes und Sport – das geht -
wenn einige wichtige Punkte beachtet werden. Das Hauptproblem ist die Hypoglykämie, also die Unterzuckerung. Darauf werde ich sehr ausführlich zu sprechen kommen. Meine Schwerpunkte liegen dabei auf die Vermeidung der Hypoglykämie, ihrer Erkennung und Behandlung.
Sport = körperliche Bewegung gehört zwar zu den Säulen der Diabetesbehandlung – ist aber bei den Insulin spritzenden Diabetikern auch einer der größten Störfaktoren, in dem Bemühen, gleichmäßig gute Blutzuckerwerte zu erzielen. Warum ist das so?
- der Muskel benötigt bei Sport mehr Energie als im Ruhezustand- die Energie für den Muskel ist die Glucose (Traubenzucker) - im Muskel ist ein kleiner Glucosevorrat, der auch beim Diabetiker
für eine kurze Belastung ausreicht - der Glucose-Nachschub kommt
1. aus der Leber
+ dort ist Glucose in Form von Stärke (Glykogen) gespeichert und+ dort wird Glucose produziert (Gluco-neo-genese)
2. aus den mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydraten (= KH)
Beim Gesunden regelt der Körper den Glucosestoffwechsel selber, auch unter körperlicher Belastung:
- Insulin und Glukagon regulieren den Blutzuckerspiegel:
+ Glucose kann aus dem Blut in die Muskelzellen
+ Glucoseabgabe aus der Leber ans Blut (Glukagonwirkung):
* viel Insulin: geringe Glucoseabgabe ins Blut
* wenig Insulin: hohe Glucoseabgabe ins Blut
- - Sport: (beim Gesunden) + bei Muskelarbeit wird weniger Insulin als im Ruhezustand
benötigt, um die Glucose in den Muskel zu schleusen Ø die Bauchspeicheldrüse gibt weniger Insulin ins Blut ab
> die Leber gibt viel Glucose als Brennstoff ins Blut ab
+ nach dem Sport müssen die Glucosespeicher wieder auf-
gefüllt werden (Muskel, Leber). Das geschieht auch beim
Gesunden durch die Zufuhr von KH.
Nun zu Sport und Blutzuckerstoffwechsel bei Diabetes: Ist die normale Insulinmenge gespritzt = der Insulinspiegel im Blut ist relativ hoch:
.
> Glucose aus dem Blut geht schnell in den Muskel
> Glucosenachschub aus der Leber sehr gering, Hemmung des
Glukagons durch hohe Insulinspiegel im Blut bzw. im s.c. Depot
> Blutzucker sinkt stark ab!!!
> Hypoglykämie - Gefahr!!!!
Praktische Beispiele: vor Sport: = BZ normal:
½ Std. - 1 Std. nach Sport = BZ bei ca 50 mg/dl vor Sport BZ 200 mg/dl - 250 mg/dl, ohne Azeton/Urin
½ Std. - 1 Std. nach Sport = BZ ca bei Normalwert Wichtig:Sport nie bei Azeton/Urin!! ( = Ketoazidose)d.h.: bei BZ > 240 mg/dl Urin auf Azeton testen. Bei positiven Befund > kein Sport, sondern die Ketoazidose nach individuellem Plan behandeln! bei geplantem Sport:(z.B. Langlauf, Bergwanderung, Skiwanderung, Radtour, Sportturnier u.ä., also starker oder lange dauernder Belastung) - Insulindosis um 50% - 70% senken, Mahlzeiteninsulin weglassen
oder stark reduzieren, je nach BZ vor der Mahlzeit.
- Auf keinen Fall Insulin ganz weglassen!
- je nach BZ > „Sport-BE“ essen - häufige BZ-Kontrollen (1 – 2 stündlich, ggf. häufiger) - bei vorzeitig abgebrochenem Sport:
> je nach Dauer und Intensität der körperlichen Belastung und
aktuellem BZ-Wert Insulin nachspritzen Bei kurzer Sportdauer / wenig anstrengendem Sport
> keine Insulinänderung, sondern nur Zusatz-BE essen
(nach BZ-Wert)
Bei hohem BZ (> 240 mg/dl) vor Sport:
= Azeton/Urin kontrollieren!! Wenn Azeton +, ++, +++
= kein Sport, sondern Körperuhe, Insulin spritzen.
Weitere BZ- und Azetonkontrollen (nach dem Korrekturplan) Der BZ kann auch ohne Acetonbildung hoch sein: KH – Insulin – Verhältnis stimmt nicht überein. Bei BZ-Messung ca ½ Stunde nach Sportbeginn, kann der BZ höher sein als vorher:Ø Glucose geht u.U. sehr schnell aus der Leber ins Blut. Vor allem, wenn vorher die Insulinzufuhr reduziert wurde, also relativ wenig Insulin im Blut ist.Ø Diesen BZ-Wert darf man nicht mit Insulin korrigieren, i.d.R. sinkt er von selbst wieder, durch die Fortführung der körperlichen Belastung. Diese genannten Vorgänge können individuell sehr unterschiedlich stark ablaufen und sind von verschiedensten Faktoren abhängig.
Sport und Insulinpumpe:
- vor Sport: Die laufende Basalrate reduzieren auf 25% - 50% - je nach
geplanter körperlicher Belastung(An zeitliche Verschiebung des Wirkungseintritts dieser Maßnahme denken)
- nach Sport: Basalrate auf 50% - 75% einstellen- Insulinbolus: nach BZ-Wert (s.o.) Für die tatsächlich individuell korrekte Insulinanpassung bzw. für die zusätzlich notwendigen KH-Mengen kann man nur Anhaltszahlen nennen. Die tatsächlich notwendigen Anpassungen, muß der Betroffene weitgehend selbst herausfinden. Wenn er dafür einen erfahrenen Arzt zur Seite hat, ist es sicher leichter für ihn. Grundsätzlich sind alle Sportarten für Diabetiker genauso geeignet, wie für Nichtdiabetiker - unter sonst gleichen Umständen - auch.
Teilweise müssen bei Extremsportarten allerdings besondere Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, wie z.B. beim Tiefseetauchen. Die Auswirkung von Sport auf den Stoffwechsel ist auch vom Trainingszustand abhängig. Untrainierte Menschen sollten immer vor Beginn einer bestimmten Sportart mit ihrem Arzt Rücksprache halten. Untrainierte Diabetiker haben unter körperlicher Belastung größere BZ-Schwankungen bzw. einen höheren zusätzlichen KH-Bedarf, als trainierte.Diabetiker mit neurologischen Folgeschäden an den inneren Organen oder einer Retinopathie, sollten keinen Sport durchführen, bei dem der Blutdruck stark ansteigt. Auch ein kurzzeitiger Blutdruckanstieg kann zu Blutungen im Augenhintergrund führen, wenn bereits eine Retino-
pathie besteht. (z.B. Kraftsport)
Die häufigste diabetesbedingte
Nebenwirkung des Sports ist die Hypoglykämie, also dieUnterzuckerung: (siehe im Folgenden!)Hypoglykämie
(Unterzuckerung)
Definition:
Nichtdiabetiker
BZ-Werte < 50 mg/dl mit Hypoglykämiesymptomen bzw: BZ-Werte < 40 mg/dl
Diabetiker
BZ-Werte < 50 (60) mg/dl
Diabetiker mit schlechter BZ-Einstellung haben häufig schon Hypoglykämiesymptome bei BZ-Werten > 100 mg/dl und solche mit sehr niedriger Einstellung bzw. häufigen Hypoglykämien haben auch bei sehr niedrigen BZ-Werten keine entsprechenden Symptome. Einteilung: leichte Hypoglykämie
Der Betroffene kann selbständig sinnvoll reagieren
.
schwere Hypoglykämie Der Betroffene ist auf Fremdhilfeangewiesen
a) durch orale Gabe von KH
b) durch Glucagon- oder Glucose-
Injektion (bei Bewußtlosigkeit) Grundsätzliches zum Auftreten von Unterzuckerungen: Unterzuckerungen können bei Diabetikern nur auftreten, wenn sie mit Insulin oder/und mit Sulfonyl-harnstoffen (Euglucon) behandelt werden.
D.h. bei alleiniger Behandlung mit Diät oder/und anderen oralen Antidiabetika (Arcabose, Metformin) kann eine Hypoglykämie nicht auftreten.
Ursachen von Unterzuckerungen:Es ist in der Relation zu den zugeführten KH bzw. zum Glucosever-brauch (Sport), zuviel Insulin im Blut:- zu hohe Medikamentendosis
(Insulin, Sulfonylharnstoff)- SEA zu lang- falsche Injektionsstelle (i.m.)- fehlerhafte Dosierung- fehlerhafte BZ-messung- Mahlzeit ausgelassen
- BE falsch abgeschätzt
- Gewichtsabnahme ohne Dosisreduktion- körperliche Belastung / Sport- Alkohol Verhalten des Körpers bei Unterzuckerung:Der niedrige BZ veranlaßt die Bauchspeicheldrüse Glucagon zu bilden und ans Blut abzugeben. Dieses Glucagon gelangt auf dem Blutweg zur Leber und veranlaßt sie, dort gespeichertes Glycogen als Glucose ans Blut abzugeben. Dadurch steigt der BZ wieder an.Diese Reaktion ist bei Diabetikern oft überschiessend, so daß es zu sehr hohen BZ-Anstiegen kommen kann (> 300 mg/dl sind möglich)
= reaktive Hyperglykämie. Gefährlichkeit von Hypoglykämien:Nur in Ausnahmefällen führt eine Hypoglykämie zu schweren Hirnschäden oder zum Tod: - wenn kein Glucagon ausgeschüttet wird, z.B. nach Entfernung der Bauchspeicheldrüse- wenn der Glycogenspeicher in der Leber leer ist,
z.B. nach starker körperlicher Belastung oder/und
größerem Alkoholgenuß- und kein Nachschub aus KH-haltiger Nahrung vorhanden ist
Symptome der HypoglykämieEs werden 2 Gruppen von Symptomen/Symptomursachen unter-schieden:
1. Symptome durch die hormonelle Gegenregulation:- Schwitzen - Herzklopfen
- Zittern - Heißhunger
- Unruhe - Kribbeln in den Lippen
2. Symptome durch den Glucosemangel im Gehirn = neurogene Symptome: - allgemeine Verlangsamung
- Denkstörungen + Verwirrheit + Unkonzentriertheit
+ Gedächtnisstörungen + Verständnisstörungen
- Wahrnehmungsstörungen
+ Doppeltsehen + komische Bilder sehen - Bewegungsstörungen
+ Sprachstörungen + Bewegungsstörungen (Arme/Beine)
+ Störungen im gewohnten Handlungsablauf
z.B. Kaffeekochen, BZ messen, Traubenzucker
auspacken
- Gefühlsstörungen
+ Aggressivität + Clownerie
+ Albernheit + nächtliche Aplträume Hypoglykämiesymptome bei sehr niedrigen BZ-Werten:- Bewußtlosigkeit - Krämpfe Jeder Diabetiker hat seine eigenen,
wechselnd stark ausgeprägten
Hypoglykämie-Symptome. Diese sind im Laufe der Zeit
Veränderungen unterworfen.
Wichtig ist schnelles reagieren.
Von den ersten Anzeichen bis zum
nicht mehr selbst reagieren können
ist oft nur eine kurze Zeitspanne! Häufige Unterzuckerungen führenauch zum Verlust der vollen
Hirnfunktionsfähigkeit
und zu
Persönlichkeitsveränderungen!
Maßnahmen bei Hypoglykämien:
Leichte Unterzuckerungen:
zunächst „schnelle“ BE verzehren:> Traubenzucker 2 – 3 BE = 4 – 6 Täfelchenoder> 200 ml Cola, Limonade, Fruchtsaftgetränk o.ä.
(100 ml ca 1 BE)
danach zusätzlich:
> 2 – 3 „normale“ BE BZ-messen frühestens nach den „schnellen“ BE!
(Vorher messen = unnötige/gefährliche Zeitverschwendung) Bei leerem Glucosespeicher (Leberglycogen) werden noch mehr BEs benötigt. Schwere Unterzuckerung:Selbstbehandlung durch den Betroffenen ist nicht mehr möglich. Hilfe kann durch informierte Personen geschehen: Maßnahmen: s.o. Nach Eintritt der Bewußtlosigkeit oder bei fehlendem Schluck-vermögen:
Nicht mehr versuchen, etwas oral zu verabreichen,
sondern: > Atemkontrolle > stabile Seitenlage Entsprechend informierte Personen können Glucagon injizieren:
1 mg (1 Spritzampulle) s.c. oder i.m.:
- Wirkunseintritt nach 10 – 15 Minuten
- BZ-Spiegel wird etwa um 30 mg/dl angehoben
> Es hilft nur, wenn i.d. Leber Glycogen gespeichert ist. Notruf: Notarzt injiziert Glucose i.v. Maßnahmen zur Vermeidung
von Hypoglykämien
durch Sport: Bei körperlichen Aktivitäten von kurzer Dauer und mittlerer Intensität:
- pro 30 Minuten 1 BE zusätzlich Bei/vor körperlichen Aktivitäten mit längerer Dauer: - Insulin / Tablettendosis (früh genug) reduzieren(um ca 50% – 70 %) Auch Stunden nach der körperlichen Belastung kann der BZ noch stark absinken!
Vermeidung von
Hypoglykämien
durch Alkohol: - Alkohol hemmt die Gluco-neo-genese in Abhängigkeit von der Alkoholmenge
- Es kann auch noch bis zu 20 Stunden nach dem Alkoholgenuß zu schweren Unterzuckerungen kommen
- Alkohol reduziert die Fähigkeit, Hypoglykämie-Symptome wahrzunehmen bzw. als solche zu er-
kennen
Also: - Alkoholexzesse vermeiden
- zusätzliche KH essen
- daran denken, daß nachts bzw. am
nächsten Vormittag massive Hypo`s
auftreten können
- KH-haltige alkoholische Getränke niemals
mit Insulin abdecken
Besonders stark und andauernd ist die Gefahr der
massiven Unterzuckerung, wenn körperliche Belastung
und Alkoholgenuß im zeitlichen Zusammenhang stehen.

