Grippeschutzimpfung
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Den folgenden Artikel habe ich aus dem Diabetes Journal Heft 11/2004 vom Kirchheim Verlag übernommen.
Im Herbst: Impfung gegen Influenza!| Autor: Prof. Dr. Rosak Die Impfung gegen Influenza (Virusgrippe) und Pneumokokken gehört seit Jahren zum Standardprogramm für alle Personen ab 60. Für Menschen, die durch die Erreger besonders -gefährdet sind, werden die Impfungen auch zusätzlich, unabhängig vom Alter, empfohlen – bereits für Kinder und Jugendliche. Sorge bereitet den Gremien, die in Deutschland Impf-Empfehlungen beschließen, daß noch zu wenig Leute davon Gebrauch machen. So wurden nach einer Telefonbefragung in ganz Deutschland 2003/2004 ca. 50 Prozent der über 60jährigen gegen Grippe geimpft, aber erst 32 Prozent der jungen chronisch Kranken. Viele der Nicht-Geimpften waren sich nicht bewußt, daß sie sehr gefährdet sind. Diabetiker: sehr gefährdet Die Fähigkeit, Infektionserreger zu bekämpfen, ist bei Diabetikern, abhängig von der Stoffwechseleinstellung, eingeschränkt. Es kommt hinzu, daß viele ältere Menschen zusätzlich an Grunderkrankungen leiden: z.B. des Herz-Kreislauf-Systems oder der Niere. Die Virusgrippe oder Influenza kann in jedem Alter zu Komplikationen führen, Vergleichsuntersuchungen zeigten aber, daß Diabetiker etwa 6mal häufiger stationär behandelt werden mußten und 3mal häufiger an Influenza oder deren Komplikationen starben. Influenza erkennen: aber wie? Die Übertragung der Viren erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion oder durch direkten Kontakt (Handschlag); häufiges Händewaschen kann das hohe Ansteckungsrisiko verringern – hilfreich ist auch, Menschenansammlungen zu umgehen. Die Ansteckungsfähigkeit besteht bereits, bevor die ersten Krankheitszeichen auftreten; die Viren dringen in die Zellen der Atemwege ein und vermehren sich dort. Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch • plötzlich auftretendes hohes Fieber über 39 °C, • Schüttelfrost, • Muskelschmerzen, • Schweißausbrüche, • allgemeine Schwäche, • Hals-/Kopfschmerzen und • trockenen Reizhusten. Das Influenzavirus schwächt das Abwehrsystem, daher entwickeln sich häufig zusätzlich bakterielle Infektionen: bakterielle Lungenentzündung bzw. bei Kindern häufig eine akute Mittelohrentzündung. Influenzaviren und Pneumokken-Bakterien arbeiten Hand in Hand. Weitere Komplikationen können Schädigungen des Gehirns sein oder eine Entzündung der Herzmuskulatur (Myokarditis). Eine weitere Komplikation ist das „Reye-Syndrom“: ein akutes Versagen der Leber mit Gehirnschädigung; es kann vor allem bei Kindern und Jugendlichen nach Aspirin-Therapie auftreten. Beim diabetischen Patienten führt der Infekt mit hohem Fieber zur Ausschüttung von Streßhormonen: Blutzucker und freie Fettsäuren im Blut sind erhöht. Die Insulinresistenz steigt. Der Flüssigkeitsverlust begünstigt das Austrocknen. Der Stoffwechsel droht zu entgleisen. Neuere Studien zeigen, daß selbst unabhängig von einem Diabetes die Influenza-Erkrankung das Gerinnungssystem anstößt und so die Gefahr für Herzinfarkt oder Gehirnschlag erhöht. Bei Diabetikern werden durch die schlechtere Durchblutung zusätzlich lebenswichtige Organe wie Herz oder Niere stark belastet, die bereits durch die Grunderkrankung nicht mehr voll funktionsfähig sind. Impfung bei Diabetikern: wirksam und sicher Zu den wirksamsten Vorsorgemaßnahmen gehört die Schutzimpfung, die jährlich vorzugsweise in den Monaten September bis November durchgeführt werden sollte; gesunde Menschen sind dadurch geschützt – bei guter Übereinstimmung der Impfstämme mit den sich ausbreitenden Stämmen etwa zu 90 Prozent. Es ist unbestritten, daß die Impfung die Anzahl der Komplikationen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle verringert. Die Wirksamkeit der Grippe-Impfung ist durch viele Studien belegt. In Deutschland kommt es durch die Grippe jährlich zu 2 bis 3 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen; bis zu 15000 Erkrankungen verlaufen tödlich. Die Kosten, die durchschnittlich durch eine Erkrankung entstehen, liegen bei 600 € pro Patient. Neben dem individuellen Leid führt die Grippe auch zu einem volkswirtschaftlichen Schaden durch Arbeitsausfälle und zu zusätzlichen Kosten für das Gesundheitssystem. Studien zeigen, daß auch bei Diabetikern die Impfung wirksam ist: Stationäre Aufenthalte gingen in einer englischen Studie um 79 Prozent zurück. Der Blutzuckerspiegel wurde durch die Impfung nicht beeinflußt. Influenza-Impfstoffe sind gut verträglich: Sie bewirken innerhalb von 10 bis 14 Tagen die Bildung schützender Antikörper im Blut. Übrigens enthalten sie keinerlei infektiöse Virenbestandteile mehr. WHO legt Impfstoff fest Die Impfung kann daher weder Immungeschwächte gefährden noch werden Viren ausgeschieden und auf Dritte übertragen. Jeder Impfstoff enthält jeweils 3 aktuelle Virustypen - zwei des Typs A und einen B-Stamm. Die Zusammensetzung wird von der Weltgesundheits-Organisation (WHO) festgelegt, die ständig die Veränderungen der Influenzaviren weltweit beobachtet; die Viren sind nämlich die reinsten Verwandlungskünstler und verändern sich, um sich unserem Abwehrsystem zu entziehen. Inzwischen gibt es auch Konservierungsmittelfreie Impfstoffe. Einige enthalten einen Wirkverstärker, der das alternde Immunsystem besonders anstößt und so eine ausreichende Antwort auf die Impfung erzielt. Sie sind speziell für Personen ab 65 Jahren zugelassen. Die Impfung gegen Influenza muß jährlich durchgeführt werden, der Schutz gegen Pneumokokken wird nur alle 6 Jahre erneuert. Beide Impfungen können auch am selben Tag gegeben werden. Kinder bis 3 Jahre erhalten nur eine halbe Dosis Influenza-Impfstoff. Bei der erstmaligen Impfung brauchen Kinder zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen, da ihr Immunsystem erst trainiert werden muß. Die Gabe erfolgt am besten in die Muskulatur am Oberarm, bei Kindern auch seitlich in den Oberschenkel. Wer sollte nicht geimpft werden? Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoff-Bestandteile dürfen nicht geimpft werden: Hühner-Eiweiß, bestimmte Antibiotika wie Polymyxin B, Neomycin, Kanamycin. Bei Personen mit schweren Impfnebenwirkungen nach vorhergehenden Influenza-Impfungen sollte die Grippe-Impfung bis zur endgültigen Abklärung ausgesetzt werden. Und bei akuten fieberhaften Infektionen kann frühestens 2 Wochen nach der Genesung geimpft werden. Nebenwirkungen: Fieber, -Unwohlsein, Schmerzen Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff kann es gelegentlich innerhalb von ein bis drei Tagen an der Impfstelle zu leichten Schmerzen, leichter Rötung und Schwellung kommen, gelegentlich auch zu Verhärtungen oder Schwellung der zugehörigen Lymphknoten. Ebenfalls möglich sind nach der Impfung Allgemeinsymptome wie Fieber, Frösteln, Übelkeit, Unwohlsein, Müdigkeit, Schwitzen, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Diese Allgemeinreaktionen dürften Grund dafür sein, daß Impflinge manchmal fälschlicherweise meinen, sie seien durch die Impfung erkrankt. Dies ist aber nicht möglich - selbst wenn in einen Infekt hineingeimpft wird, verschlimmert die Impfung den Infekt nicht. In der Regel sind die genannten Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab. Welche Maßnahmen muß der behandelnde Arzt ergreifen? Wichtigste Maßnahme ist die engmaschige Kontrolle des Stoffwechsels. Ältere Menschen, die ihren Blutzucker nicht selbst bestimmen, können leicht eine Ketoazidose entwickeln. In einer Studie aus den Niederlanden betraf dies jeden zweiten Patienten. Die Diabetestherapie muß angepaßt werden: Menschen, die mit Tabletten zurechtkamen, werden eventuell auf Insulin umgestellt. Unerläßlich ist die Überwachung der Organfunktionen, des Flüssigkeits- und Mineralienhaushaltes sowie der Gerinnung. Bei bakteriellen Superinfektionen muß mit einem Antibiotikum behandelt werden. Ältere Diabetiker sollten lieber früher als zu spät ins Krankenhaus eingewiesen werden. Bessere Diabetikerbetreuung: trotzdem noch impfen lassen? Auch heutzutage ist die Impfung gegen Influenza und Pneumokokken für jeden Diabetiker angezeigt. Wir kontrollieren bei unseren Patienten aber insbesondere auch den belastbaren Tetanusschutz, damit Wunden an den Füßen nicht Eintrittspforte für den Wundstarrkrampf werden können. Übrigens: Für den Impfling und den Arzt entstehen durch die Impfung keine Kosten; sie werden von den gesetzlichen Kassen übernommen. Der Artikel wurde modifiziert übernommen aus "Diabetes-Journal", Heft 11/2004, Verlag Kirchheim + Co GmbH. |

