Nadelwechsel und Lipohypertrophie
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- Kategorie: Fachartikel
Übernommen aus diabetes-world.net
Autorin: Monika Haas
Dienstag, 11. Juli 2006
Nadelwechsel und Lipohypertrophie
Moderne Insulinpen-Nadeln sind medizinprodukterechtlich Produkte zur Einmalanwendung und speziell auf die Bedürfnisse der Menschen mit Diabetes abgestimmt. Dennoch: In Deutschland verwenden die meisten insulinpflichtigen Diabetiker Injektionsnadeln mehr als einmal.
Insulinpen-Nadeln werden in Deutschland nach durchschnittlich 9,2 Injektionen gewechselt! In Frankreich hingegen kann man fast von einer Einmalverwendung sprechen: Dort erfolgt der Nadelwechsel bereits nach ca. 1,5 Injektionen. (1) So die Ergebnisse einer europäischen Befragung von Menschen mit Diabetes, berichtet Evelyn Drobinski vom Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD).
Tab.1: Anteil der Diabetiker, die ihre Pen-Nadeln mehrfach verwenden
| in Prozent | |
| Frankreich | 13 |
| Holland | 22 |
| Italien | 23 |
| England | 65 |
| Spanien | 81 |
| Deutschland | 93 |
(Quelle: Roper Western Europe Diabetes Patient Survey 2004 from GfK Health Care)
Professor Dr. med. Pinget, Hospices Civils aus Straßburg, kann das bestätigen. In Frankreich unterstützen sowohl wissenschaftliche als auch staatliche Einrichtungen seit vielen Jahren die Aufklärung und Schulung der Diabetiker zum Thema Einmalverwendung. Der Erfolg spricht für sich: 87,1 Prozent der Diabetiker in Frankreich verwenden ihre Pen-Nadeln niemals mehrfach, so das Ergebnis einer aktuellen nationalen Studie der Französischen Diabetes Gesellschaft. (2)
Auch in Deutschland hat das Training der Diabetiker durch Diabetesberater/innen einen großen Einfluss auf die Häufigkeit des Pen-Nadelwechsels. Daher empfiehlt der VDBD eine konsequente und einheitliche Schulung auf Einmalverwendung von sterilen Pen-Nadeln. „Eigentlich sollte jedes Mal gewechselt werden!“, ist die Antwort, die der VDBD im Rahmen einer Umfrage unter Diabetesberaterinnen erhielt. Es gab bei dieser Umfrage aber ebenfalls Aussagen wie: „Alltagstauglichkeit – Wir sind froh, wenn überhaupt öfter gewechselt wird.“ Interessant ist: Obwohl sich 61 % der 155 Befragten der Problematik des Nadelwechsels bewusst sind, empfehlen dennoch 67 Prozent, die Nadel mehrfach zu verwenden; nur ein Drittel gibt die gesetzlich korrekte Empfehlung der Einmalverwendung weiter. (3)
Nicht ohne Folgen - Lipohypertrophie
Moderne Pen-Nadeln sind sehr dünn, fein geschliffen und besitzen eine Silikonschicht für eine schmerzarme Injektion.
Bild 1: ungebrauchte Nadel
Wissenschaftlich Untersuchungen belegen, dass sich der Gleitfilm bereits bei der ersten Verwendung der Nadeln abnutzt.
Bild 2: Nadel nach einmaliger Verwendung
Bei mehrfacher Verwendung besteht auch die Gefahr, dass sich die hauchdünn geschliffene Nadelspitze beispielsweise beim Durchdringen der Haut verbiegt.
Bild 3: Nadel nach mehrmaliger Verwendung
Wieder verwendete Pen-Nadeln führen durch zusätzliche Verletzung des Gewebes zur verstärkten Ausbildung so genannter „Lipohypertrophien“. Diese Fettgewebswucherungen führen einerseits zum Verlust des Schmerzempfindens und verleiten Diabetiker, immer wieder dazu in diese Stelle zu injizieren. Andererseits verstärken sich aber dadurch die Lipohypertrophien: Sie werden größer. Das veränderte Fettgewebe wird schlecht durchblutet, so dass das injizierte Insulin schlechter vom Körper aufgenommen wird. Der Wirkeintritt des Insulins wird schlecht kalkulierbar und es besteht die Gefahr der Blutzuckerschwankungen. Zudem können mehrfach verwendete Pen-Nadeln durch anhaftende Gewebsreste oder auskristallisiertes Insulin verstopfen, so dass es gleichfalls zu einer Unterdosierung des Insulin kommen kann. Und: Insulinpen-Nadeln sind bei der Abgabe an den Diabetiker steril. Hängen jedoch Gewebereste an einer gebrauchten Nadel, kann es zu einer Besiedelung mit Bakterien und anderen Keimen führen. Das birgt ein Infektionsrisiko, da die Keime bei der Wiederverwendung der Nadel in die Haut eindringen können.
Die Empfehlung
- Pen-Nadeln sind Einmalartikel, die regelmäßig gewechselt werden sollten – idealerweise nach jeder Injektion.
- Diabetiker sollten auf die korrekte Spritztechnik achten (Insulin immer subkutan in das Fettgewebe injizieren).
- Injektionsstellen regelmäßig wechseln, um Lipohypertrophien und Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.(4)
Lesen Sie demnächst, mit welchen Haftungsrisiken zu rechnen ist, wenn man die Mehrfachverwendung von Pen-Nadeln empfiehlt.
Quellen:
- Roper Western Europe Diabetes Patient Survey 2004 from GfK Health Care
- Pinget, M: Pressekonferenz „Vom richtigen Umgang mit dem Insulinpen – Weil es unter die Haut geht“, 28.03.2006, Dresden
- Drobinski, E: Pressekonferenz „Vom richtigen Umgang mit dem Insulinpen – Weil es unter die Haut geht“, 28.03.2006, Dresden
- Haak, T: Pressekonferenz „Vom richtigen Umgang mit dem Insulinpen – Weil es unter die Haut geht“, 28.03.2006, Dresden

