Exaktheit / Richtigkeit der Blutzuckermesswerte

Immer wieder taucht die Frage nach der Genauigkeitder der zur Selbstmessung genutzten Messgeräte auf. Die Ansprüche an die Messgenauigkeit sind im Hilfsmittelverzeichnis festgehalten.
Die neuen Richtlinien der Bundesärztekammer sind am 15.02.2008 im Deutschen Ärzteblatt (7/2008) veröffentlicht worden. (RiLiBÄK 2008)

Dort steht in Bezug auf die "Handmessgeräte" zur Selbstmessung durch

die Patienten:

Die Testgeräte funktionieren vorschriftsmäßig, wenn 95% der Messwerte

um weniger als 11% von der tatsächlichen BZ-Höhe abweichen.

Das heißt anders formuliert: sie dürfen bis zu +/- 11% vom tatsächlichen Wert abweichen (ABER: i.d.R. weichen sie nur ca 5 - 7% ab). 
5% der gemessenen Werte dürfen mehr als 11% vom tatsächlichen Wert abweichen!

Für Labormessungen gelten strengere Regeln:
Die dürfen nur +/- 10% abweichen. Die Laborgeräte unterliegen aber allerdings strengen  Kontrolluntersuchungen. Aus diesen Kontrollen ergibt sich regelmäßig eine Abweichung von weniger als 5% vom tatsächlichen BZ-Wert.

Zum Vergleich von BZ-Werten muss man auch wissen, worin der BZ denn eigentlich gemessen wird:
Manche Geräte zur Selbstmessung durch den Patienten messen in Vollblut, andere im Serum oder Plasma des Blutes. Die Plasma-/Serumwerte sind 10% - 15% höher als im Vollblut. Das muss natürlich bei der Beurteilung solcher Messergebnisse beachtet werden. 
Nicht immer steht es in den technischen Daten der Messgeräte, worin gemessen wird.

Wenn man den BZ-Wert aus Kapillarvollblut (aus dem Finger/Ohrläppchen) mit venösem Blut vergleicht, findet man natürlicher Weise auch einen ca 10% höheren Wert im Kapillarblut.

Zusätzlich können falsche Werte entstehen, durch das Nichteinhalten der Gebrauchsanleitung des jeweiligen Messgerätes (z.B. Codierung, abgelaufene Teststreifen, Zuckerreste am Finger, feucht gewordene Testfelder, falsche Lagerung usw.).

Aus den genannten Gründen ist es nicht sinnvoll, die Ergebnisse

verschiedener Messgeräte miteinander zu vergleichen. Auch dürfen die

"Handgeräte" nicht zur Diagnosestellung " Diabetes mellitus" eingesetzt

werden. Dazu müssen die Ergebnisse von Laborgeräten herangezogen

werden! 


 

Unterschieden wird auch die "Exaktheit" und die "Richtigkeit" der gemessenen Werte:

Exakt misst ein Gerät, wenn die gemessenen Werte im selben Medium (z.B. Bluttropfen) sehr eng zusammen liegen. Die Exaktheit liegt also auch dann vor, wenn die gemessenen Werte alle bei z.B. 120 - 130 mg/dl liegen, der Blutzucker  tatsächlich aber bei 240 mg/dl.

Richtig misst ein Gerät, wenn die gemessenen Werte sehr dicht an dem tatsächlichen (Blutzucker-)Gehalt liegen. In dem genannten Beispiel also alle um die 240 mg/dl. (Mit den erlaubten Abweichungen - siehe 3. Absatz von oben.)

 

zuletzt geändert am 13.03.2011