| Betrachtet man die Häufigkeit diabetischer Folgeerkrankungen, so steht die diabetische Retinopathie an erster Stelle der mikrovaskulären Komplikationen. Typ-2-Diabetiker weisen in einem Drittel der Fälle bereits bei Diagnosestellung eine Retinopathie auf, nach 20 Jahren sind es bis zu 80 Prozent der Patienten. Bei Typ-1-Diabetikern sieht die Situation anders aus: Kinder vor dem 11. Lebensjahr müssen erst nach einer Diabetesdauer von fünf Jahren auf das Vorliegen einer Retinopathie untersucht werden. Besteht der Diabetes 15 bis 20 Jahre, haben aber bis zu 95 Prozent der Betroffenen eine Retinopathie. Auch die diabetische Makulopathie ist nicht selten: Typ-2-Diabetiker sind in bis zu 25 Prozent der Fälle betroffen, bei Typ-1-Diabetikern liegt die Häufigkeit nach 15jähriger Diabetesdauer bei etwa 15 Prozent. (1) Blutzuckerverlauf ohne Einfluß In einer Analyse des Diabetes Control and Complications Trial (DCCT) haben Kilpatrick und Kollegen (2) untersucht, ob sich der Verlauf der Blutzuckerwerte – stabil oder schwankend – auf die Entwicklung einer Retinopathie auswirkt. Anhand der 7-Punkt-Profile der Blutzuckermessungen, die die 1441 teilnehmenden Diabetiker durchgeführt hatten, zeigte sich, daß es keinen entsprechenden Einfluß gab. Solange die mittlere Blutglukose vergleichbar ist, spielt es also keine Rolle, ob die Blutzuckerwerte stark schwanken oder recht gleichmäßig verlaufen, schließen die Autoren aus ihren Ergebnissen. Das Ergebnis galt auch für die Analyse, ob eher prä- oder postprandiale Blutzuckerwerte retinopathiefördernd sind: Auch hier zeigte sich kein Einfluß. Diabetesdauer entscheidend? M. Eppens und Kollegen (3) haben in einer Studie verglichen, wie sich die Häufigkeit der diabetischen Retinopathie bei Kindern mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes verhält. In dieser Untersuchung hatten 20 Prozent der untersuchten 1264 Typ-1-Diabetiker eine Retinopathie, aber nur 4 Prozent der untersuchten 25 Typ-2-Diabetiker. Die Diabetesdauer unterschied sich allerdings deutlich. Während die Typ-1-Diabetiker eine mittlere Dauer von 8,1 Jahren aufwiesen, lag sie bei den Typ-2-Diabetikern bei 1,3 Jahren; der eine von einer Retinopathie betroffene Typ-2-Diabetiker hatte aber auch bereits seit 9,3 Jahren Diabetes. Das Metabolische Syndrom scheint das Vorhandensein von Diabeteskomplikationen zu fördern, unabhängig davon, ob ein Typ-1- oder ein Typ-2-Diabetes vorliegt, wie eine italienische Studie, im Dezember 2006 publiziert in Diabetes Care, zeigt (4). Wie oft und was sollte untersucht werden? Da sich eine Veränderung des Augenhintergrunds zuerst nicht bemerkbar macht, ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig. Die Untersuchungsintervalle, die empfohlen werden (5), sind folgende: Typ-1-Diabetes: - ab dem 5. Erkrankungsjahr oder ab dem 11. Lebensjahr einmal jährlich
- wenn keine Retinopathie vorliegt, einmal jährlich
- wenn eine Retinopathie vorliegt, erfolgen die Untersuchungen nach Maßgabe des Augenarztes
Typ-2-Diabetes: - sofort bei Diagnosestellung
- einmal jährlich
- wenn eine Retinopathie vorliegt, erfolgen die Untersuchungen nach Maßgabe des Augenarztes
Liegt eine Schwangerschaft vor, sind häufigere Kontrollen angezeigt. Bei jeder augenärztlichen Vorstellung sollen Sehschärfe, vorderer Augenabschnitt und der Augenhintergrund bei erweiterter Pupille untersucht werden. Bei bestehender schwerer nichtproliferativer oder proliferativer Retinopathie oder Rubeosis iridis soll außerdem der Augendruck gemessen werden (1). Viele weitere Informationen zur diabetischen Retinopathie und Makulopathie und auch den Untersuchungsbogen finden Sie auf der Seite www.diabetes-auge.de. Literatur: 1) Hammes HP, Lemmen KD: DDG-Praxisleitlinie Diabetische Retinopathie und Makulopathie. Diabetologie 2006; 1 (Suppl 2): S195-S198 2) Kilpatrick ES et al.: The effect of glucose variability on the risk of microvascular complications in type 1 diabetes. Diabetes Care 2006; 29: 1486-1490 3) Eppens M et al.: Prevalence of Diabetes Complications in Adolescent With Type 2 Compared With Type 1 Diabetes. Diabetes Care 2006; 29: 1300-1306 4) The Metascreen Writing Committee: The Metabolic Syndrome is a Risk Indicator of Microvascular and Macrovascular Complications in Diabetes. Diabetes Care 2006; 29: 2701-2707 5) Nauck M, Brabant G, Hauner H (Hrsgg): Kursbuch Diabetologie. Kirchheim, Mainz, 2005. S. 60
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