| Die Sterblichkeit durch diabetische Ketoazidosen hat sich in den letzten 20 Jahren nicht reduziert. Nach Angaben einer Kölner Publikation (Gouni-Berthold 2006) liegt sie zwischen 3,4 und 4,6 Prozent. Die diabetische Ketoazidose imponiert durch Hyperglykämie, Bildung von Ketonkörpern und eine metabolische Azidose – in der Regel ausgelöst durch Infektionen oder Weglassen des Insulins. Die Kombination aus Insulinmangel und erhöhten Katecholaminen führt zu einer verstärkten Lipolyse und so zu einem Überschuss an Fettsäuren mit nachfolgender Beta-Oxidation und Ketogenese. Männer haben häufiger Ketoazidose Offenbar hat sich auch das Auftreten einer diabetischen Ketoazidose in den letzten 25 Jahren nicht reduziert – es hat nur eine Verschiebung von jüngeren zu älteren Patienten stattgefunden. Das ist eins der Ergebnisse einer dänischen Studie (Henriksen 2007). Die Autoren analysierten zwei große Register: das dänische nationale Patientenregister in den Jahren 1996 bis 2002 und das dänische Todesursachen-Register in den Jahren 1996 bis 2000. Dabei fanden sie in ersterem 4807 Aufnahmen wegen diabetischer Ketoazidose, in zweiterem 137 Todesfälle. Auf 12,9 diabetische Ketoazidosen pro tausend Einwohner wird die jährliche Inzidenz geschätzt; Männer sind dabei mit 14,4 pro Tausend stärker vertreten als Frauen mit 11,4. Typ-2-Diabetes lag nur bei 12 Prozent vor, vor allem bei über 50-Jährigen. Die Mortalität aufgrund einer diabetischen Ketoazidose lag in dieser Untersuchung signifikant höher bei Menschen mit einem Alter über 70 Jahren. Höhere Mortalität multifaktoriell bedingt Welche Faktoren fördern die Mortalität durch eine diabetische Ketoazidose? Wissenschaftler aus Jamaika (Chung 2006) analysierten hierfür die Daten eines Krankenhauses der Tertiärversorgung. Dort waren zwischen 1998 und 2002 1560 Patienten wegen eines Diabetes aufgenommen worden. 980 dieser Akten wurden retrospektiv analysiert; es zeigte sich, dass 164 dieser Diabetiker eine diabetische Ketoazidose oder ein hyperglykämisch-hyperosmolares Syndrom entsprechend der Definition der American Diabetes Association (ADA) aufwiesen. Von den Patienten mit diabetischer Ketoazidose lag bei 62 Prozent ein Typ-2-Diabetes vor, nur 6 Prozent hatten einen Typ-1-Diabetes. Auch in dieser Untersuchung, in der die Mortalität durch eine diabetische Ketoazidose bei 6,7 Prozent lag, zeigte sich, dass diese mit dem Alter steigt. Faktoren, die die Mortalität fördern, waren hier reduzierter mentaler Status bei Aufnahme, weitere Erkrankungen, höheres Lebensalter, höheres Alter bei Diabetesdiagnose und akuter Stress. Behandlungsprotokoll verkürzt Krankenhausaufenthalt Liegt der Behandlung einer diabetischen Ketoazidose in einem Krankenhaus ein standardisiertes Protokoll zugrunde, kann dieses helfen, die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation und auch die Gesamtaufenthaltsdauer zu reduzieren. Eine Studie aus Denver (Bull 2007) zeigt dadurch eine Verkürzung des Aufenthalts auf der Intensivstation von im Durchschnitt 44 Stunden auf 34 Stunden; die Gesamtaufenthaltsdauer reduzierte sich von im Durchschnitt 91 Stunden auf 64 Stunden. Auch die Zeit, in der der Säure-Basen-Haushalt gestört war, verkürzte sich deutlich. Eine Zusammenfassung der Symptome und Empfehlungen zur Therapie bei Typ-1-Diabetikern finden sich in der „Evidenzbasierte(n) Leitlinie der DDG – Therapie des Diabetes mellitus Typ 1“. Quellen: - Bull SV, Douglas IS, Foster M, Albert RK: Mandatory protocol for treating adult patients with diabetic ketoacidosis decreases intensive care unit and hospital lengths of stay: results of a nonrandomized trial. Crit Care Med 2007; 35: 41-46 (Abstract)
- Chung ST, Perue GG, Johnson A, Younger N, Hoo CS, Pascoe RW, Boyne MS: Predictors of hyperglycaemic crises and their associated mortality in Jamaica. Diabetes Res Clin Pract 2006; 73: 184-190 (Abstract)
- Gouni-Berthold I, Krone W: Diabetic ketoacidosis and hyperosmolar hyperglycemic state. Med Klin (Munich) 2006; 101 (Suppl 1):100-105 (Abstract)
- Henriksen OM, Roder ME, Prahl JB, Svendsen OL: Diabetic ketoacidosis in Denmark Incidence and mortality estimated from public health registries. Diabetes Res Clin Pract 2007; 76: 51-56 (Abstract)
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