Die US-Gesundheitsbehörde warnt vor dem möglichen Risiko einer akuten Pankreatitis bei Therapie mit den Antidiabetika Januvia® (Sitagliptin) und Janumet® (Sitagliptin/Metformin) vom US-Unternehmen MSD und lässt daher die Fachinformationen zu diesen beiden Produkten erweitern.
Anlass sind 88 Fälle von akuten Pankreatitiden, die der Behörde zwischen dem 16. Oktober 2006 und dem 9. Februar 2009 gemeldet wurden. In zwei Fällen habe es sich, so die FDA, um eine hämorrhagische oder nekrotisierende Pankreatitis gehandelt. 58 der 88 Patienten (66%) seien stationär behandelt worden, vier von ihnen intensivmedizinisch. Bei 19 Patienten (21%) habe sich die Pankreatitis innerhalb von 30 Tagen nach Therapiebeginn entwickelt, bei 47 (53%) habe sie sich nach Abbruch der Therapie zurückgebildet. 45 Patienten (51%) hatten nach Angaben der FDA wenigstens einen Risikofaktor für eine Pankreatitis, außer Diabetes nämlich Übergewicht sowie hohe Cholesterin- und/oder Triglyzeridwerte.
Aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs vermutet die FDA auch einen kausalen Zusammenhang zwischen der Sitagliptin-Therapie und der Pankreatits. Die Behörde empfiehlt Ärzten daher ein sorgfältiges Monitoring bei den Patienten, die erstmalig mit Sitagliptin oder Sitagliptin/Metformin behandelt werden oder bei denen die Dosierung erhöht wird. Außerdem soll die Therapie unterbrochen werden, wenn der Verdacht auf eine akute Pankreatitis aufkommt. Auch bei Patienten mit einer Pankreatitis in der Vorgeschichte seien Vorsicht und adäquates Monitoring erforderlich. Dr. John Amatruda, Senior-Vizepräsident für Diabetes-Produkte bei MSD, sagte dagegen, dass man bei MSD nicht an einen Kausalzusammenhang glaube. Die Analyse der Sicherheitsdaten von präklinischen und klinischen Studien mit einer Dauer von bis zu zwei Jahren und mehr als 6000 Patienten hätte keine Zunahme der Pankreatitis-Inzidenz ergeben. Auch die Post-Marketing Daten sprächen nicht für einen Kausalzusammenhang. Außerdem, so Amatruda, hätten Patienten mit Diabetes bekanntermaßen ein erhöhtes Risiko für eine Pankreatitis.
Januvia® ist der erste therapeutisch genutzte Hemmstoff des Enzyms Dipeptidyl-Peptidase 4 (DPP-4). Durch die Hemmung schützt die der Wirkstoff die Inkretine GLP-1 und GIP vor dem Abbau. Die natürliche Blutzucker-Balance wird so verbessert. Allein oder in Kombination mit anderen Antidiabetika war Sitagliptin in zulassungsrelevanten Studien wirksamer als Placebo. Kombiniert mit Metformin senkten 100 mg / Tag Sitagliptin den HbA1c-Wert innerhalb von 24 Wochen um 0,7 Prozentpunkte (von 7,96 auf 7,26 Prozent), verglichen mit einem Rückgang um 0,08 Prozentpunkte im Placebo-Arm.
Das US-Unternehmen erwartet für dieses Jahr einen Umsatz mit beiden Produkten in Höhe von 2,4 bis 2,7 Milliarden US-Dollar.
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