Schon eine ausgesprochen putzige Argumentation

03.10.2007 01:58

Schon eine ausgesprochen putzige Argumentation



des Herrn Grätzel von Grätz, Herausgeber des Hype-Sellers "Vernetzte Medizin -- Patienten-Empowerment und Netzinfrastrukturen in der Medizin des 21. Jahrhunderts" ...

Ist nämlich alles garnicht schlimm, was an der Gesundheitstelematik kritisiert wird, weil die Kassen ohnehin schon fleissig Data-Mining betreiben -- nicht heimlich und illegal im Dunkeln, nein, voll legitimiert und befugt durch das SGB V in der Neufassung von 2004. (Das BMG betont ja auch immer, daß die Daten in der Gesundheitstelematik vor unbefugtem Zugriff sicher seien, da alle Interessenten wahrscheinlich im SGB V befugt wurden oder eben noch werden ...)

Nun -- immerhin, jetzt ist es raus:
Die Befürchtungen sind also definitiv berechtigt.

Nur übersieht Herr Grätzel von Grätz ein paar Kleinigkeiten:
In eben selbiger SGB-V-Novellierung wurde auch die Gesundheitstelematik festgeschrieben und ihre Einführung zum 1.1.2006 -- und auch ihre Rolle als Vehikel des umfassenden Datenzugriffs. Denn der ist bis dato zwar tatsächlich beunruhigend in seinem Ausmaß, aber eben in der ambulanten Verhandlung -- solange die Abrechnungen noch über die KV und nicht in Direktverträgen erfolgt -- noch drastisch eingeschränkt.

Die Gesundheitskarte wird sowohl die Detailtiefe als auch die Zeitnähe der Daten eben dramatisch ändern:

Die Datenspur wird ultragenau. Schon der Beginn eines Arztbesuchs wird feststellbar sein, denn sobald die Karte gesteckt wird, wird sie im Online-Betrieb "nach Hause" telefonieren und der Krankenkasse signalisieren:
Patient X ist heute um 11:37:24.345 Uhr bei Arzt X registriert worden.

Das Lesen von Daten oder das Eintragen einer Diagnose sowie die Speicherung eines eRezepts wird den weiteren Verlauf detailliert verfolgbar machen: von 12:41:57.832 bis 12:47:12.031 Lesen von Diagnosen (--> Wartezeit also >1h, --> Konventionalstrafe für den Arzt)

12:52:42.845 Eintrag einer Diagnose (wieso hat die Diagnosestellung nach dem Lesen so lange gedauert? Bestimmt ein Versuch betrügerisch eine ausführliche Beratung von mind. 10 min Dauer abzurechnen!)

12:55:13.349 Ausstellung eRezept (aha, langsame Signierung des eRezepts -- dieser Arzt konnte sich augenscheinlich kein Komfortsignaturgerät mehr leisten --> wahrscheinlich wirtschaftliche Notlage --> gute Ausgangsposition für harte Rabattverhandlungen)

13:01:29.538 Einlösung des eRezepts für die Medikamente A, B und C in Apotheke Y (holla -- wieso so schnell??? Die Gehdistanz sind doch für einen jungen gesunden Menschen 5 Minuten! Das kann der Patient in seinem angeblichen Zustand (aus Medikation abgeleitete Diagnose D) doch eigentlich kaum schaffen!?! --> Betrugsverdacht --> Beauftragen wegen Verdachts auf Verbrechen gegen die Allgemeinheit: Auswertung Handy-Positionsdaten, Sicherstellung sämtlicher Überwachungsvideos im Geo-Koordinatenquadranten [(v,w),(n,m)], Telefon- und E-Mail-Überwachung Patient, Arzt, Apotheker und alle Kontaktpersonen 1. und 2. Grades, Aktivierung der Bundestrojaner in der Elster-SW von Patient und Apotheker sowie im Konnektor der Arztpraxis zur Beweissicherung ...

Denn wie Herr von Grätz ja dann doch ganz richtig bemerkt:
Die Kassen sind noch am Üben und verstehen noch nicht in vollem Umfang was alles möglich ist und fühlen sich durch mögliche öffentliche Ächtung auch noch etwas gehemmt ...

Und das sich das nicht in die falsche Richtung ändert, das ist JETZT sicher zu stellen!

Thomas Maus